Am Samstag, den 25.4.2020, saß ich am Computer und schrieb etwas, als ich plötzlich ein Dröhnen im linken Ohr bekam. Es hielt an. Von da an dröhnte alles, was ich hörte. Es rauschte sehr laut.

Da ich ab und an unter Tinnitus leide, fand ich es erst nicht schlimm, da ein Tinnitus nicht nur Piepsen und ein Ton sein kann, sondern manchmal auch rauscht.

Meine Gattin telefonierte etwas später und ich hielt mir ein mal dies, dann das andere Ohr zu.

Während rechts alles in Ordnung war, hört ich links kaum noch etwas.
Links hörte es sich zum normalen Ton im rechten Ohr an wie ein Gespräch im Telefon, dass ein paar Meter entfernt liegt, allerdings ohne Lauthören und Freisprechen. Die Stimme war leise und hörte sich seltsam an, keine dunklen Töne und keine Höhen. Wie bei Spielzeug-Walkie-Talkies, die nur eine kratzige Stimme hinter einer Membran wiedergeben, allerdings sehr leise.

Es ging erst zur ambulanten Notfallpraxis, dann in die Hals-Nasen-Ohren-Klinik.
Nachdem Audiogramm (Hörtest) dann die Diagnose.

Hörsturz!

Ich bekam Tabletten verschrieben, die ich vom Sonntagmorgen an nehmen musste. Der Arzt sagte, dass eine Wahrscheinlichkeit von neunzig Prozent bestehe, dass wieder alles wieder gut wird.

Der Fernsehabend am Samstag war schlimm. Es rauschte neben mir wie eine Lüftungsmaschine, andere Geräusche wie Autofahren dröhnten im Ohr. Dazu die zwei unterschiedlichen Stimmfarben, wenn meine Gattin sprach.
Wenn ich das rechte Ohr zuhielt, war die Stimme hohl und sehr leise, fast gar nicht da, wenn ich mir das linke Ohr zuhielt, alles normal.

Die Nacht hätte ich mir schlimmer vorgestellt, aber da ich Erfahrung mit Tinnitus über viele Jahre habe, beruhigte ich mich, atmete dabei sehr regelmäßig und konzentrierte mich auf etwa anderes als das schlimme Rauschen.
Ich schlief nach ein paar Minuten ein und wachte am nächsten Morgen einigermaßen erholt auf. Ich wurde nachts auch nicht zwischendurch wach.

Von Sonntagmorgen an nahm ich dann die Tabletten.

Sonntagnachmittag hielt ich mir dann abwechselnd das linke und das rechte Ohr zu.
Zwischen spätem Nachmittag und Abend hatte meine Frau in meinem linken Ohr ihre Stimme wiedergefunden. Diese seltsame Stimme war einer normalen gewichen, allerdings noch etwas leise, aber schon wieder lauter.

Am Samstagabend, nachdem ich die Diagnose bekam, nahm ich mir vor, dass ich zu den neunzig Prozent gehöre, bei denen der Hörsturz wieder zurückgeht.
Das sagte ich mir auch immer wieder, als ich mich vorm Einschlafen beruhigte. Ich mache es auch in regelmäßigen Abständen.

Montag war ich dann beim niedergelassenen HNO-Arzt.
Das Audiogramm war wieder besser geworden, als das in der Klinik am Samstag.
Ich merkte es selber, dass ich schon besser und schneller auf die unterschiedlichen Töne reagierte, indem ich sie schon besser hörte.
Das Rauschen im Ohr hat fast aufgehört und ist einem leichten Tinnituston gewichen.
Wenn man sich nicht auf den Tinnitus einlässt, nervt er auch nicht.
Man muss sich beschäftigen und ihn ignorieren.
Kämpft man gegen ihn an, hat man verloren, denn dabei konzentriert man sich auf ihn und schenkt ihm Aufmerksamkeit.

Heute, Dienstag, den 28.4.2020, ist es schon wieder besser. Der Tinnituston ist zwar da, aber vernachlässigbar.
Als ich bei meinem Hausarzt war, stellte dieser eine Blockade am linken Schulterblatt fest. Er geht davon aus, dass dies den Hörsturz ausgelöst haben kann, denn zwei Wochen vorher, am Ostermontag, hatte ich massive Kreislaufprobleme bekommen, als ich genauso am Computer saß, wie am Samstag.
Er sagte aber auch, dass möglicherweise etwas in der Nähe des Hörnervs angeschwollen gewesen sein konnte, dass den Hörsturz ausgelöst haben könnte. Meine Gattin und ich haben nämlich seit Weihnachten eine Erkältung, die wir nicht loswerden.
Die Tabletten, die nehme, haben nämlich auch abschwellende Eigenschaften.

Dazu mache ich die mir von meinem Arzt gezeigte Gymnastik für die Schulter und den Nackenbereich, damit die Blockade und möglicherweise daraus resultierende Neuralgie verschwindet.

Ich weiß, dass sich mein Ohr ganz erholen wird.

2 Antworten auf Und plötzlich hört man kaum noch etwas

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