Anfang der 2000-er-Jahre war ich bei einem Bildungsinstitut in Nordrhein-Westfalen beschäftigt. Nach knapp einem Jahr wurde mir die Stelle als leitender Ausbilder angeboten. Die diesbezüglichen Regularien waren allerdings nicht so einfach.

Anfang der 1990-er-Jahre habe ich mein InformatikInformatik Wissenschaft von der systematischen Verarbeitung von Informationen, insbesondere mithilfe von Computern-Studium mit den Nebenfächern Wirtschaftswissenschaften und SoziologieSoziologie Die Soziologie ist die Wissenschaft von den Formen des Zusammenlebens der Menschen, von den Voraussetzungen, Erscheinungsformen und Entwicklungen gesellschaftlichen Lebens. an der Universität-Gesamthochschule Paderborn mit Diplom abgeschlossen.

Ich war danach als Projektleiter und ConsultantConsultant Ein Berater, der ein Unternehmen bei der strategischen Neuausrichtung unterstützt sowie als EDVEDV Elektronische Daten-Verarbeitung-Berater tätig und konnte viel Erfahrung sammeln.

Anfang der 2000-er-Jahre kam ich zu einem Bildungsträger, in der für das damalige Arbeitsamt Personen zu „Fachinformatikern AnwendungsentwicklungAnwendungsentwicklung Die Anwendungsentwicklung beschäftigt sich mit dem Entwurf, dem Projektmanagement und der Programmierung von Programmen (auch Anwendungen genannt).“ umgeschult wurden.
Ein Kurs befand sich im zweiten Teil der Umschulung. Ein neuer Kurs war schon seit einer Woche am Start.
Die Umschulungen dauerten zwei Jahre inklusive zweier Praktika.

Nach etwa einem halben Jahr kündigte der damalige Ausbilder seinen Rückzug an.
Mir wurde ans Herz gelegt, den sogenannten „AusbilderkursAusbilderkurs Wer ausbilden will, muss neben der persönlichen und fachlichen Eignung auch über pädagogische, rechtliche, organisatorische, psychologische und methodische Kenntnisse und Fertigkeiten verfügen. Dies vermittelt und zertifiziert der sogenannte „Ausbilderkurs” bzw. die „Ausbildung der Ausbilder” (AdA).“, kurz AdAAusbilderkurs Wer ausbilden will, muss neben der persönlichen und fachlichen Eignung auch über pädagogische, rechtliche, organisatorische, psychologische und methodische Kenntnisse und Fertigkeiten verfügen. Dies vermittelt und zertifiziert der sogenannte „Ausbilderkurs” bzw. die „Ausbildung der Ausbilder” (AdA)., zu besuchen.
Irgendwann war der Kollege weg und ich übernahm seinen Job.

Man muss sich ins Verzeichnis der Industrie‑ und Handelskammer oder der Handwerkskammer als Ausbilder für die entsprechenden Unternehmen eintragen lassen.

Der erste Antrag wurde abgelehnt mit der Begründung, dass ich weder in den anerkannten Ausbildungsberufen „Fachinformatiker Anwendungsentwicklung“ noch „Datenverarbeitungskaufmann“ ausgebildet wäre.
In der Ablehnung stand, dass ich zwar mein Studium mit Diplom beendet hätte, doch das wäre kein anerkannter Ausbildungsberuf.
Die AEVOAEVO AEVO ist die Kurzform für „Ausbilder-Eignungsverordnung“. Sie dient zur Sicherung der Qualität und der Vereinheitlichung der Ausbildung mit Augenmerk auf die Qualifikation der Ausbilder. – Ausbilder-Eignungsverordnung – sichert die Qualität und die Durchführung von Ausbildungen.

Nach einigen Telefonaten stellte ich einen schriftlichen „Sonderantrag für die Eintragung in das Ausbilderverzeichnis“.

Wie es nun mal in bürokratischen Staaten so ist und war, musste es eine „Begehung“ beziehungsweise „Besichtigung“ geben.

Die „Begehung“ gestaltete sich so, dass ein Herr von der IHKIHK Industrie- und Handelskammern (IHK) sind regional organisierte, branchenübergreifende Verbände aus Unternehmern und Wirtschaftsunternehmen. ins Unternehmen kam. Er schaute sich kurz die Räumlichkeiten an, wollte aber gar nicht zu den Fachinformatikern gehen, um sie nicht zu stören.
In meinem Büro unterbreitete er mir direkt, noch bevor der Kaffee fertig war, dass er alles schon im Vorfeld ausgefüllt habe und es, wenn er wieder zurück sei, veranlassen werde. Die „Begehung“ war wohl nur pro formaPro Forma Der Form halber, formhalber gewesen.
Er sagte, dass mein Lebenslauf sowie die Zertifikate und (Arbeits‑)Zeugnisse dafür sprächen, dass ich als Diplominformatiker selbstverständlich Fachinformatiker und EDV-Kaufleute ausbilden könne und dem Eintrag ins Ausbilderverzeichnis nichts im Wege stünde. Schließlich sei ein Diplom wesentlich höher zu bewerten als eine Berufsausbildung oder eine Umschulung.

Am darauffolgenden Tag hatte ich die Genehmigung schon per Post bekommen, mit Poststempel zwei Tage vorher datiert, also noch einen Tag vor der „Begehung“.

So wurde ich Ausbilder für Datenverarbeitungskaufleute und Fachinformatiker.

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