Wenn man von Erdstrahlen hört, denkt man sofort an schädliche Wirkung, obwohl Erdstrahlung nichts anderes als natürliche Radioaktivität ist, die überall und immer auf der Erde auftritt und sehr sehr schwach ist.

Die Erde ist eine riesige Kugel aus Mineralien u.ä., also chemischen Elementen, zu denen bekanntlich auch radioaktive gehören. Diese strahlen sehr niedrig.

Nun könnte man Glauben machen, dass „Erdstrahlung die Summe der natürlichen aus der Erde aufsteigender Strahlung“ sei und manchen Menschen, die sensibel sind, Schaden zufügen könne.
Die Pseudo-Wissenschaft „Radiästhesie“ untersucht solche kausalen Zusammenhänge.

In einer Anzeige wird Reklame für Kupfermatten gemacht, die man unter dem Bett legen soll, um Erdstrahlen abzuschirmen. So kann man laut der Anzeige wieder ruhig schlafen und Schmerzen verschwänden.
Die Kupfermatte hat eine Besonderheit aufzuweisen. Sie ist aus einem 2800 Meter langen Faden gewebt.

Erstaunlich!

Darauf wird in der Anzeige auch eingegangen. Schließlich sei das Matterhorn 4400 Meter hoch, der Ort Zermatt liege auf 1600 Meter Höhe und der Unterschied zwischen Zermatt und der Spitze des Matterhorns betrage schließlich 2800 Meter.
Und so lang ist eben der Faden, der zu der Kupfermatte verwebt werde.

Jedenfalls ist der Unterschied zu gewöhnlichen Erdstrahlen absorbierenden Matten der, dass in eben dieser Matte keine Schurwolle verwebt ist.
Und sofort bekommen wir auch eine Erklärung dafür.

Da die Matte Erdstrahlen auffange, lade sie sich schließlich auf und müsse alle paar Wochen durch Wasser gezogen worden, um sie wieder zu neutralisieren.
Dies geht laut Hersteller nicht mit Matten, in denen Schurwolle enthalten sei. Wenn man die Schurwolle enthaltenden Matten durch Wasser ziehe, nähmen diese knapp zwanzig Liter Wasser auf und bräuchten Tage, um wieder zu trocknen. In dieser Zeit könne man solche Matten eben nicht benutzen.

Um die Wirkung der Kupfermatte zu untermauern, liegen Berichte von Personen bei, die die Matten im Einsatz haben. Sie sind zufrieden hoch drei. Kinder können endlich wieder durchschlafen, Frauen haben keine Monatsbeschwerden mehr, Männer wachen nachts nicht mehr vor Schmerzen auf.
Valium ist also nicht mehr nötig, wie ein Proband in einem Dankesbrief schreibt.
Auffallend in den ganzen Dankesbriefen ist, dass sie vom Satzbau her gleich sind, sich bestimmte Phrasen gleichen, doch das ist bei den Geheilten nachvollziehbar, denn schließlich sind sie eine große Gemeinde, die an die Wirkung der Kupfermatte glaubt.

Ich glaube auch daran, dass das fliegende Spaghetti-Monster das Universum erschaffen hat. Solange niemand das Gegenteil beweisen kann, ist diese Schöpfungsgeschichte wahr.
In dubio pro reo.

Nun muss man allerdings bedenken, dass sich auf einen Anhänger der Radiästhesie bzw. Geopathie (neues Wort für Geomantik) bezogen wird, der seine „wissenschaftlichen“ Thesen nicht wirklich beweisen kann.

Es beginnt damit, dass er behauptet, Erdstrahlen seien „wissenschaftlich“ nicht nachweisbar.

Jeder der im Physikunterricht aufgepasst hat, weiß, dass man die „natürliche Radioaktivität“ definitiv nachweisen kann.

Was man nicht nachweisen kann, ist, dass es kausale Zusammenhänge zwischen Krankheiten und natürlicher Radioaktivität gibt. Dies ist aber der Ausgangspunkt der Radiästhesie.

Wenn man annimmt, dass Erdstrahlen – so nennt man die natürliche Radioaktivität im Volksmund – Schaden anrichten, so kann man auch alles andere darauf aufbauen.

Die Radiästhesie vermischt also wissenschaftlich nachweisbare Strahlung – von dem sie aber behauptet, sie könne nicht nachgewiesen werden – mit dem Glauben, dass diese Schaden verursache.

Von Natur‑ und Geisteswissenschaftlern wird die Radiästhesie abgelehnt.
In sog. Doppelblind‑ und Dreifachblindversuchen wurde nachgewiesen, dass die „Erfolgsquote“ der Thesen und Beweise der Radiästhesie über Zufallswerte nicht hinauskommt.
Dies gilt übrigens auch für das Wünschelrutengehen.

Die Radiästhesie geht davon aus, dass Erdstrahlen, die nicht nachgewiesen werden können, alles durchdringen, außer Kupfer. Dass sie Kupfer nicht durchdringen kann, kann nicht nachgewiesen werden, da die Erdstrahlen nicht nachweisbar sind.

Ein Fehlen von Erdstrahlen über der Kupfermatte ist also gleichbedeutend mit der nichtexistentiellen Existenz eben diese Erdstrahlen unter der Matte.
Oder anders ausgedrückt: existierende nichtnachweisbare Strahlung unter der Matte und über der Matte nichtexistierende nichtnachweisbare Strahlung!
In der Kupfermatte sammelt sich aber die nichtnachweisbare (gefilterte) Strahlung und muss durch Wasser neutralisiert werden.

Radioaktivität ist eine elektromagnetische Strahlung wie Licht.

Eine Person ist lichtempfindlich und kann nicht schlafen, weil vor ihrem Schlafzimmerfenster eine helle Straßenlaterne strahlt und die Person keine Fenstervorhänge hat.

Nachdem die Vorhänge angebracht sind, kann die Person nun (besser) schlafen, weil es im Schlafzimmer dunkler ist, also im Raum weniger Licht, also Lichtstrahlung, vorhanden ist.

Aber Vorsicht!

Licht vor dem Fenster wird durch die Vorhänge gefiltert und hinter dem Fenster (im Raum) ist kein Licht mehr.
Die Vorhänge sind irgendwann lichtgeladen und müssen durch Wasser neutralisiert, also gewaschen, werden.
Dies ist also gleichzusetzen mit dem Neutralisieren der Kupfermatte.
Nun ist nämlich verständlich, warum man die Kupfermatten neutralisieren muss.

Licht kann man nachweisen.

Die Gardine liegt nun in einer dunklen Kammer neben der Waschmaschine und strahlt vor sich hin, da sie ja das Licht, dass sie aufgenommen hat, irgendwo lassen muss.
Wenn man nun mit technischem bzw. wissenschaftlichem Gerät nachweisen will, dass die Gardine strahlt, also Licht abgibt, wird man feststellen, dass sie kein Licht abgibt.

Irgendwo muss das Licht aber geblieben sein.

Durch das Aufprasseln der Photonen auf die Gardine wurden schließlich die Elektronen, die sich in den Atomen der Gardine befinden, angeregt und haben sich heftigst bewegt. 

Wo sind sie nun?

Sie sind da, nur eben nicht nachweisbar und nach der Wäsche sowieso nicht (mehr)!

So ist es auch mit den Erdstrahlen, die permanent alles und jeden durchdringen, nicht gemessen werden können, aber in der Kupfermatte stecken, weil Kupfer das einzige Material ist, dass die Erdstrahlen aufhalten kann.

Das Manko ist nun, dass das Kupfer sich nach und nach mit den Erdstrahlen auflädt.

Aber man kann ja die Kupfermatte durch Wasser ziehen.

Man denke an das Matterhorn!

Der Zusammenhang ist klar.
Die Matte ist aus einem zwei Komma acht Kilometer langen Kupferfaden gewebt worden und der Höhenunterschied zwischen Zermatt und dem Gipfel des Matterhorn beträgt zwei Komma acht Kilometer.
Zwei Komma acht Kilometer muss ich auch fahren, wenn ich in einem Nachbarort einkaufen will.
Nun könnte man theoretisch den Kupferfaden auch über diese Strecke ausbreiten – zwei Komma acht Kilometer oder 2800 Meter!
Und wenn es dann regnete, wäre der Kupferfaden auch neutralisiert, im ausgebreiteten Zustand.

Wenn jetzt aber eine Schafherde über die Straße und über den Faden liefe …
… und der Faden danach verwoben würde …

Dann wäre die Matte von minderer Qualität, weil die Matte ja keine Schurwolle enthalten darf.

Nicht nur in Zeiten der PISA-Generation, schon seit vielen (hunderten bzw. tausenden von) Jahren, gibt und gab es esoterische Strömungen.
Astrologie und Wahrsagerei sind genau solche Strömungen wie eben auch die Radiästhesie.
Man nehme etwas Fantasie und Aberglaube, und vermische dies mit wissenschaftlichen These bzw. gebe den Thesen einen (pseudo‑)wissenschaftlichen Anstrich und rede den Leuten ein, dass Erdstrahlen schädlich seien.

Im Altertum gab es keine Trennung von Astronomie und Astrologie.
Die Astrologen kannten die Himmelsgesetze und nutzten z.B. Mond‑ und Sonnenfinsternisse gezielt für (religiöse) Propagandazwecke.

Heute sind es Geschäftemacher, die Pseudowissenschaft mit Wissenschaft mischen und genau wissen, wie man Lügen als Wahrheit verkaufen kann.

Die Kupfermatte gegen Erdstrahlung ist so ein Beispiel.

Eine Antwort auf Kupfermatten gegen Erdstrahlen

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