Passend zum Betrag über die Lügen, die sich Mitarbeiter der sogenannten „Einlasskontrollen“ bei Krankenhäusern gefallen lassen müssen, berichteten diese Mitarbeiter über solche Fälle im Detail.
Deren „Erlebnisse“ werden nun wiedergegeben.

Die Namen der Personen sind nicht deren reale Namen.

Peter Dahm steht am Tisch auf der Empore über der Treppen. Amalie Häberle kommt herein und geht auf ihn zu.
„Guten Morgen! Was kann ich für Sie tun?“
„Ich habe einen Termin“, antwortet Frau Häberle und will weitergehen.
„Entschuldigung! Sie müssen erst dieses Formular ausfüllen, bevor ich Sie hineinlassen kann.“
„Habe ich schon gestern.“
„Dann zeigen Sie dies bitte vor, damit ich es mit dem heutigen Datum abstempeln kann!“
„Den habe ich nicht dabei, aber mein Mann kommt gleich auch hinein.“
„Bevor Sie keinen Bogen ausgefüllt haben, darf ich Sie nicht hinein lassen. Zudem ist momentan keine Begleitung erlaubt.“
„Aber ich habe einen Termin.“
„Wie ist denn Ihr Name?“
„Amalie Häberle.“
Bevor die Fragen zur Risikobewertung einer möglichen Corona-Infektion kommen, trägt man das Geburtsdatum ein. Die einfach gehaltenen Fragen sind schnell abgearbeitet. Frau Häberle drängt, dass sie einen Termin habe.
„Den Bogen nehmen Sie bitte mit und zeigen ihn vor! Bitte eine Nummer am weißen Kasten ziehen und dann kurz warten!“
„Aber ich habe einen Termin.“
„Dann drücken Sie den blauen Knopf. Dort steht auch ‚Mit Termin‘“
„Mein Mann kommt auch noch.“
„Hat er auch einen Termin?“
„Nein!“
„Dann muss er draußen bleiben. Begleitungen sind momentan wegen Corona nicht erlaubt.“
„Aber er kommt gleich.“
„Es tut mir leid. Er muss dann draußen oder in der Cafeteria warten.“
„Aber Ihr Kollege gestern hat ihn hereingelassen.“
„Das kann nicht sein. Denn ich war gestern Morgen auch hier und habe mit Ihnen die gleiche Diskussion geführt.“
Frau Häberle geht schnurstracks zur Anmeldung.
„Bitte ziehen Sie erst eine Nummer an dem blauen Knopf oben! Diese wird dann aufgerufen.“
„Ich habe einen Termin um neun.“
„Das schaffen Sie. Es ist erst kurz vor halb.“
„Vielleicht kann ich schon drankommen.“
„Es sind noch Personen vor Ihnen.“
Frau Häberle zieht genervt eine Nummer und bleibt in der Tür zur Anmeldung stehen.
„Bitte setzen Sie sich auf einen der Sitzplätze! Jeder kommt dran.“
Nach der dritten Diskussion, dass Frau Häberle drankomme, wenn ihre Nummer aufgerufen werde, wird der Ton der Mitarbeiterin in der Anmeldung ruppiger.
Währenddessen kommt Herr Häberle die Treppe hoch.
„Guten Morgen! Was kann ich für Sie tun?“
Von der Ecke neben der Sitzgruppe ruft Frau Häberle: „Komm! Du kannst mit rein.“
„Sie sind Herr Häberle?“
„Ja. Ich wollte zu meiner Frau.“
Frau Härberle ruft, dass der „Mann am Empfang“ gesagt habe, er könne mit herein.
„Herr Häberle. Ich hatte Sie gestern schon nach draußen geschickt, weil aufgrund der Corona-Pandemie momentan keine Begleitungen erlaubt sind.“
„Ich habe gestern meine Frau auch begleitet.“
„Das kann nicht sein. Denn, wie ich schon sagte, habe ich Sie gestern weggeschickt, weil momentan keine Begleitungen erlaubt sind.“
Aus der Anmeldung hört man: „Bitte stehen Sie nicht hier in der Tür! Setzen Sie sich bitte wieder aufs Sofa!“
„Aber ich habe einen Termin.“
„Das ist mir bewusst.“
Der Mitarbeiter der „Einlasskontrolle“ sagte etwas lauter, deutlich und etwas langsam: „Herr Häberle, momentan sind keine Begleitungen erlaubt. Haben Sie das verstanden?“
„Ja!“
Häberle schaut den Mann vor sich an und meint: „Gestern bin ich mitgegangen.“
„Gestern habe ich Sie persönlich nach draußen geleitet.“
Als Häberle Richtung Sitzecke gehen will, wird ihm der Weg versperrt.
Nach einigen Warnungen und der Ankündigung, ihm Hausverbot zu erteilen, entfernt er sich schimpfend.
Nachdem Frau Häberle endlich bei der Anmeldung an der Reihe ist, kommt die Mitarbeiterin mit ihr wieder hinaus und sagt: „Wenn Sie einen Termin haben, müssen Sie auf den blauen Knopf drücken. Dort steht auch:‘Mit Termin‘“.


Martin Rommel steht am Tisch. Zwei Personen kommen auf ihn zu.
„Guten Morgen. Schiller mein Name. Mein Sohn hat einen Termin.“
„Guten Morgen!“, antwortet Rommel und fragt den Sohn: „Wann sind Sie geboren?“
„Am 12,2,1996.“
Er wendet sich an die Mutter: „Es tut mir leid! Ihr Sohn ist über 18 Jahre alt. Wir dürfen momentan keine Begleitung mit hineinlassen.“
„Aber ich gehe immer mit.“
„Wegen der Corona-Pandemie sind Begleitungen nicht erlaubt. Im Wartebereich muss zudem auch der Mindestabstand trotz vieler Patienten gewahrt werden.“
Frau Schiller erzählt, dass „ihr Junge“ besser dran wäre, wenn sie mitkäme.
Der Mann der „Einlasskontrolle“ schaut den „Jungen“ nochmals an.
„Frau Schiller. Als ihr Sohn hier hereinkam, hatte er keinerlei Probleme beim Gehen und er ist auch sonst nicht gebrechlich. Wenn er noch nicht volljährig wäre, könnten Sie ihn begleiten.“
Frau Schiller sagt, dass Sie sich beschweren würde, wie man Sie behandelt hätte, während ihr Sohn den Bogen ausfüllt.
„Mama, so sind die Regeln. Du kannst Dir ja einen Kaffee trinken gehen.“
Während Frau Schiller etwas von „Unverschämtheit“ redet, und langsam in Rage kommt, meint ihr Sohn: „Mama, der Mann hat seine Vorschriften.“
Nachdem der junge Herr Schiller zur Anmeldung geht, verlässt seine Mutter aufgebracht den Ausgang und macht nochmals klar, dass sie sich beschweren werde.


Eine braunhäutige junge Frau kommt zum Eingangsbereich.
„Guten Morgen! Ich habe einen Termin um elf bei Professor Kremser.“
„Dann müssten wir kurz dieses Formular ausfüllen“, meint der Mann von der „Einlasskontrolle“.
„Das mache ich schon. Vielen Dank!“
Sie nimmt einen Kugelschreiber und beugte sich über den Tisch.
Als sie fertig ist, kommt ein Weißhäutiger auf beide zu.
„Guten Morgen! Was darf ich für Sie tun?“
„Ich gehöre zu ihr.“
„Es tut mir leid. Momentan sind Begleitungen nur in Ausnahmefällen erlaubt.“
„Meine Begleitung kommt aus Indien und spricht kein Deutsch. Ich bin der Dolmetscher.“
„Ihre Begleitung hat in fließenden Deutsch mit mir gesprochen und auch den Bogen selbstständig ausgefüllt.“
Der weißhäutige „Dolmetscher“ schaut nach unten. Die „Inderin“ verdrehte die Augen.
„Sie dürfen gerne dort gegenüber draußen auf der Bank im Schatten warten.“


Bei der Dermatologie – eines nicht näher genannten Klinikums – gibt es für die Patienten einen Termin‑ und Behandlungsbogen, den diese mitführen und vorlegen müssen.
Das Prozedere bei der „Einlasskontrolle“ ist übrigens immer gleich.
Es muss sich wohl herumgesprochen haben, dass man, wenn man sagt, einen Termin zu haben, ohne Probleme hereingelassen wird.
Thomas Maibach, Mitarbeiter an der „Einlasskontrolle“ der oben erwähnten Dermatologie erzählt, dass zum Beispiel drei Personen zusammen kommen und sagen, sie alle hätten einen Termin. Dann könnten alle drei herein.
Theoretisch!
Der Mitarbeiter an der „Einlasskontrolle“ kennt die Betrügereien.
Er lässt sich die Termin‑ und Behandlungslisten zeigen und kann so entscheiden, wer hereingelassen wird.

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