Schon vorige Woche habe ich ein Paar gesehen, das beim Einkaufen keinen Mundschutz getragen hat.
Laut der Information des Geschäfts hätten beide ein Attest.
Heute habe ich den Mann angesprochen, da er alleine war.

Der Mann hielt sich ohne Mund-Nase-Schutz im Geschäft auf.
Er unterhielt mit einer Bekannten.
Ich wartete kurz und sprach ihn freundlich an: „Entschuldigen Sie, anscheinend haben Sie vergessen, Ihre Maske aufzusetzen. Bitte holen Sie dies jetzt zum Schutz aller nach!“.
Er war sehr überrascht und meinte, er bräuchte keine zu tragen, weil er dahinter nicht atmen könne …

In der vorigen Woche war er mit seiner Ehefrau unterwegs und beide trugen keine Maske. Als ich die Person an der Information darauf ansprach, dass sich Personen ohne Masken im Geschäft aufhielten, sagte mir diese, das Ehepaar hätte ein Attest.
Ich fragte, ob sie es gesehen hätte, doch sie antwortete, eine Kollegin hätte es ihr mitgeteilt. Sie hatte die beiden einfach hineingelassen, ohne zu kontrollieren.

Ich merkte an, dass dies laut „Corona-Verordnung des Landes Baden-Württemberg“ nicht sein könnte, worauf er sagte, er habe ein Attest.

Ich machte dem „Mann ohne Maske“ klar, dass ich daran zweifle, dass er ein Attest habe. Er erwiderte: „Das habe ich dabei.“ und zeigte es mir.

Ich erkannte direkt, dass es ein gefälschtes war, da ich in diese Thematik involviert bin.

Dies sagte ich ihm und fragte, woher er es habe.
Er gestand, es sich aus dem Internet heruntergeladen und einfach seinen Namen selbst eingetragen zu haben.
Ich hakte nach und er erzählte mir das Gleiche nochmal, im normalen freundlichen Plauderton.
Auf meine explizite Frage, ob er diesbezüglich mit dem ausstellenden Arzt oder seinen Hausarzt gesprochen habe, verneinte er dies.
Ich wollte wissen, ob er sich nie gefragt habe, ob es in Irdnung sei, dass ein Arzt aus Hessen, der in Baden-Württemberg approbiert habe, Blanko-Atteste für ganz Deutschland anbiete, in der jeder seinen Namen eintragen könne.
Er antwortete nur, dass das ja wohl nicht illegal sein könnte, weil es so etwas ja sonst nicht gebe.

Ein Arzt stellt nur in Ausnahmesituationen ein Attest aus.
Er stellt ebenso keine Atteste aus, ohne den Patienten zu kennen.
Man kann sich denken, dass das Ausfüllen eines „Attests“ nicht vom Patienten, sondern vom Arzt vorgenommen werden muss.
Bei einem Attest muss man keine Kopie der Approbationsurkunde des ausstellenden Arztes vorlegen. Zudem ist auf den Attesten die Unterschrift und der Stempel des Arztes (mit Adresse et cetera) vorhanden.
Ein Arzt darf ärztliche Zeugnisse und Atteste nur nach gewissenhafter ärztlicher Untersuchung und nach genauer Erhebung ausstellen
.

Ich sagte ihm, dass er theoretisch und vielleicht unwissend Erreger wie das Corona-Virus verteilen könnte oder sich gefährden würde.
Ich machte ihm klar, dass ich ihn anzeigen würde, da ich ja nun seinen Namen und seine Adresse hätte. Er sagte nichts dazu und nahm es mit enttäuschtem Gesicht schulterzuckend gelassen hin.

Dann ging ich zur Information und erläuterte den Fall.
Die Angestellte ging sofort in Opposition und meinte, dass der Mann ohne Maske dort einkaufen dürfe. Er habe angeblich das „Schreiben“ hochgehalten beim Betreten. Er und seine Ehefrau seien schließlich bekannt.
Auf mein Verlangen erschien nach kurzer Zeit der Geschäftsführer.

Ich stellte mich bei ihm vor und berichtete ihm die Sachlage.
Er wollte sofort losgehen, den Mann zur Rede stellen und ihn des Hauses verweisen.
Ich hatte ihm auf meinem Handy gezeigt, wie mehrere gefälschte Atteste aussähen.

Die Polizei leitete nun ein Ermittlungsverfahren wegen Urkundenfälschung und Betrug, wenn nicht auch ein Verfahren wegen Erschleichung einer Leistung, gegen den Mann ein.

Im Nachhinein tut mir der „Mann ohne Maske“ leid.
Ob er einen Tipp von einem Bekannten bekam oder selbst nach dem „Attest“ gesucht hatte, weiß ich nicht.
Die Leichtgläubigkeit und Naivität des Mannes zeigte mir, dass er sich nichts dabei gedacht hatte. Er hatte gehört, dass man ein „Attest“ bekommen kann und besorgte es sich ungeachtet der gesetzlichen Lage.
Zu glauben, dass etwas nicht illegal sein könnte, weil es angeboten werde, zeigte mir, dass er nicht darüber nachgedacht hatte, was er eigentlich tat.

Auch wenn er sich keiner Schuld bewusst ist, bekommt er nun seine Strafe.

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