Seit Jahren gibt es das Schlagwort „Digitalisierung“, was darauf hinweisen soll, dass vieles auf „digitalem Weg“ besser – und vor allem schneller – funktionieren soll.


Momentan rückt das Wort „Digitaler Unterricht“ – auch unter „E-Learning“ bekannt – in den Fokus. Dies ist auch bedingt durch die Corona-Krise, da viele Schüler (von Elternseite) zu Hause bleiben (sollen).
Hier ist das Manko zu finden.
Kaum jemand kümmert sich um den „digitalen Unterricht“.
Das gleiche Problem wie immer!

Lehrer waren bezüglich der Corona-Krise nicht auf „digitalen Unterricht“ getrimmt, weswegen das sogenannte „Home-Schooling“ auch nicht funktionieren konnte.

Die Lehrer proklamierten kurz vor und während der Sommer‑ und auch Herbstferien, dass sie diese bräuchten, weil sie ja mehr tun mussten als sonst.
Nehmen wir es einfach mal so hin!

In den Sommerferien hatten kaum Lehrer darüber nachgedacht, wie man den Unterricht „digitalisieren“ könnte. Es kam auch kaum etwas aus dieser Richtung.
Man hätte ganz einfach Präsentationen machen können, um Unterrichtsinhalte anbieten zu können. Die einfachste Art wäre gewesen, Bücher einzuscannen und diese als Präsentationen oder elektronische Dokumente an die Wand zu projizieren oder online zu stellen.

Zu meiner Zeit als Ausbilder im informationstechnischen Bereich habe ich dies schon um die Jahrtausendwende gemacht, Unterrichtsinhalte als Präsentationen aufzubereiten oder E-Books – elektronische Bücher – anzubieten.
Diese digitalen Unterrichtseinheiten konnten sich die Auszubildenden herunterladen oder vom Großrechner kopieren.
Dies funktionierte hervorragend.
Viele meiner Auszubildenden waren Umschüler, die die vierzig Jahre schon überschritten hatten. Diese Art des Unterrichts bereitete keinem ein Problem.

Zu der Zeit gab ich auch Kurse für Bürokräfte, Kaufleute et cetera.
Auch veranstalteten wir Einführungskurse ins Internet für Senioren über die Volkshochschulen. Dies gab kein Problem.

Nun fragt man sich, warum die Schulen nicht zumindest etwas nachgezogen haben?

Informatikunterricht gibt es an den Schulen, doch dieser wird eher stiefmütterlich behandelt, als wäre die Informationstechnologie ein Auslaufmodell.

Statistiken zeigen, dass der informationstechnische „Umbau“ in der Industrie ein Anwachsen der Produktion um 250 Prozent gebracht hat. Schlagworte sind hier neben Automation auch „CNC“, „DNC“ und „NC“, was bedeutet, dass Maschinen einfach gesagt, programmierbar und sehr anpassungsfähig sind.
Die Verbesserung in den Büros liegt im gleichen Zeitraum nur bei knapp 100 Prozent. Die Umstellung in Behörden und Ämtern liegt noch darunter. Die Umsetzung bezüglich „E-Government“ – Amtsgeschäfte vom Internet oder elektronisch erledigen – ist noch im langsamen Gange.

Was mich stört, ist nicht die langsame Produktivitäts‑ oder Effizienzsteigerung im nicht-produzierenden Bereich, sondern der Umgang speziell der Lehrer mit den digitalen Medien.
Manchmal könnte man denken, diese Entwicklung sei an ihnen vorbeigegangen.

Ein „Paradebeispiel“ habe ich auf der Didacta – der Bildungsmesse – erlebt.

Die Didacta ist die größte Fachmesse für Bildungswirtschaft in Europa, sowohl im elektronischen als auch nicht-elektronischem Bereich.

Dort wurde eine „elektronische Tafel“ vorgestellt.
Auf dieser konnte man mit den Fingern oder einem Stift, der wie ein Stück Kreide aussah, Texte verfassen. Die Handschrifterkennung war so gut entwickelt, dass sie fast alles, was der Dozierende dort schrieb, in Blockschrift umsetzen konnte. Man konnte entweder wählen, ob dies zeitgleich passieren sollte oder später in einem Schritt.
Zudem bot sie die Möglichkeit, die Tafelinhalte in Dokumente wie Präsentationen oder E-Books zu speichern. Eine Schaltfläche „Tafel wischen“ löschte den Inhalt und speicherte ihn vorher in die Dokumente, wenn man dies wollte.
Die Schüler waren begeistert, doch leider nicht die Lehrer.

Ich unterhielt mich mit Lehrern und interviewte sie.
Die Lehrer redeten sich leider mit der Argumentation heraus, dass Schüler überfordert seien.

Dies war fast das gleiche Argument wie bei allen anderen, die ich fragte.
Auch das Thema „digitale Schulbücher“ – E-Books („elektronische Bücher“) – stieß auf sehr wenig Gegenliebe.
Viele Lehrer argumentierten, E-Books und gedruckte Bücher könne man nicht gleichsetzen, da bei Papierbüchern die Haptik entscheidend sei. Man müsse das Papier fühlen können. Auch wurde mir gesagt, dass Papierbücher die Fantasie anregten, E-Books aber nicht. Bei E-Books könne man sich übrigens auch keine Notizen machen. Dass dies bei allen E-Book-Lesegeräten funktionierte, stritten viele ab, auch noch, als ich es ihnen zeigte.

Das Problem ist, dass Lehrer lieber beim „analogen Unterricht“ bleiben (wollen). Kaum jemand hat sich Gedanken gemacht, wie „digitaler Unterricht“ funktionieren könne, geschweige denn, was dies überhaupt ist.

Was mich bei der Haltung der Lehrer ärgert, ist die Ablehnung mit dem Verweis, dass Schüler mit der „neuen Technik“ überfordert seien.
Die Schüler wachsen mit den „neuen Medien“ auf. Fast jeder hat ein Smartphone, einen PC zu Hause stehen et cetera. Diese Kinder wachsen damit auf und auch in diese „elektronische Welt“ hinein.

Ich glaube eher, dass die Lehrer nicht damit klarkommen und ihre Unfähigkeiten oder Unlust auf die Schüler projizieren.

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