Als vom 4. auf den 5. Oktober 2021 für ein paar Stunden das soziale Online-Netzwerk Facebook samt angegliederter Dienste ausgefallen war, witterten Verschwörungstheoretiker die „Reinigung“. Mit der „Reinigung“ oder „Befreiung“ solle angeblich die „Wahrheit“ ans Licht kommen.

In Verschwörungstheorien geht es im Prinzip immer darum, dass eine „geheime Macht“, die aus Reichen, Politikern und Prominenten und deren Schergen besteht, die Fäden zieht. Diese „geheime Macht“ steuert die Entwicklung der Welt nach ihren Vorstellungen. Hungersnöte, Katastrophen und sogar Kriege sollen von ihr inszeniert sein, um ihre Ziele zu erreichen. Dies geschieht im Geheimen und niemand soll es erfahren.

Die einzigen, die den Durchblick haben, wie dies alles vonstatten geht, sind die Verschwörungstheoretiker.

Laut „Prophezeiung“ gibt es allerdings irgendwann eine „Reinigung“, was bedeutet, dass in nicht allzu weiter Zukunft die „Herrschenden“ weggefegt werden. Die Erde wird also von ihnen gereinigt.

Diese „Prophezeiung“ ist nicht konkret, sondern man muss die „Zeichen“ zu deuten wissen.

Eigentlich hätte die „Reinigung“ schon am 14. Juli 2021 beginnen sollen, doch da hat wohl jemand die „Zeichen“ falsch gedeutet.

Am 14. und 15. Juli hatte extremer Starkregen eine Flutwelle im rheinland-pfälzischen Ahrtal ausgelöst und weite Teile des Tals unter Wasser gesetzt und zerstört. Dabei kamen 133 Menschen ums Leben.

Die „Reinigung“ solle laut Verschwörungstheoretikern mit „zehntägigen Verdunkelung“ beginnen.
Dies bedeutet aber nicht, dass die Erde zerstört wird, sondern diese Tage können auch eine „Revolution“ der „Wahren und Guten“ sein. Nach diesen zehn Tagen ist die Welt anders, weil die „geheime Macht“ nicht mehr existiert.

Den Starkregen im Ahrtal hatte man erst als Ankündigung des Fortspülens der „Mächtigen“ angesehen, doch da die Zerstörung auf einer relativ kleinen Region beschränkt blieb, entschied man sich wohl anders. 

In den „zehn Tagen der Verdunkelung“ kann übrigens auch ein Bürgerkrieg stattfinden, in dem die „Wahren und Guten“ aufstehen. Sie wecken die „SchlafschafeSchlafschafe Verschwörungstheoretiker bezeichnen Personen, die ihnen nicht glauben, als „schlafende Schafe”, um auszudrücken, dass diese sich aus Bequemlichkeit angeblich alles gefallen lassen.“ auf und ziehen mit ihnen ins Gefecht gegen die „Mächtigen“, um so eine Welt ohne „geheime Strippenzieher“ zu schaffen.

Als „Schlafschafe“ bezeichnen die Verschwörungstheoretiker diejenigen, die in ihren Augen nichts gegen die „Mächtigen“ tun (wollen) und mit den gegenwärtigen Zuständen zufrieden sind. Sie sind lieber bequem und ziehen mit der „Schafherde“ überall hin, wohin sie getrieben werden, ohne zu meckern oder sich dagegen zu wehren. Zudem sind sie blind der Wahrheit gegenüber. Sie schlafen lieber als etwas gegen die „Mächtigen“ zu tun.

Die „Schlafschafe“ sind übrigens diejenigen, die den zum Himmel schreienden Unfug der Verschwörungstheoretiker keinen Glauben schenken und ihnen widersprechen. Den Verschwörungstheoretikern sind sie ein Dorn im Auge, weswegen sie von ihnen denunziert werden.

Nach der „Verdunkelung“ ist selbstredend alles anders und vorallem besser.
Keiner kann außer Wunschdenken etwas Genaueres und Konkretes sagen, aber der Glaube daran reicht.

Den Ausfall von Facebook und Co. deuteten die Verschwörungstheoretiker so, dass die „Mächtigen“ sich nicht mehr verständigen könnten.
Facebook ist schließlich das größte soziale Online-Netzwerk.

So kann man aber auch konstruieren, dass eine „höhere Macht“ diesen Ausfall steuere.
Viele Verschwörungstheorien haben nämlich einen pseudo-religiösen Anstrich, damit es wie eine „heilige Mission“ aussieht, was die Anhänger tun.

Wie üblich gibt es wieder zwei Versionen, weswegen der Ausfall die Initialzündung der „zehn Tage“ gewesen sein sollte.
Erstens kann niemand von den „Mächtigen“ mehr kommunizieren.
Zweitens ist dies erst der Anfang vom Ausfall aller Kommunikation weltweit.

Facebook ist am Abend ausgefallen und es hat knapp fünf Stunden gedauert, bis wieder alles lief.

Da es abends dunkel wird, kann man (jeden Tag) von einer „Verdunkelung“ sprechen.
Diese hält allerdings nur bis zum Morgengrauen an und nicht zehn Tage lang.
Die Starkregen vom Ahrtal dauerte zwei Tage, also auch nicht zehn Tage.

Wieder hat sich eine „Prophezeiung“ der Verschwörungstheoretiker nicht bewahrheitet.

Es ist so ungefähr wie mit zweien meiner Ex-Kollegen, die zu den „Zeugen JehovasZeugen Jehovas Die „Zeugen Jehovas” sind eine Sekte, die an Gott und an Jesus Christus glauben, aber die Existenz des Heiligen Geistes leugnen. Die strenge Auslegung der Bibel ist typisch für sie, genauso wie der erzkonserative Lebensstil und die Ablehnung anderer Religionsgemeinschaften.“ gehörten.
Als ich in den späten 1990-er-Jahren in einem Unternehmen gearbeitet hatte, sagten die „Oberhäupter“ der „Zeugen Jehovas“ den Untergang der Welt voraus.
Die beiden Ex-Kollegen nahmen sich daraufhin Urlaub, um dem beizuwohnen und um aufzusteigen, also in das Paradies oder den Himmel zu kommen.
Ich fragte sie, warum sie sich denn Urlaub nähmen, wenn sich doch in ein paar Tagen alles sowieso erledigt hätte.
Sie antworteten, dass alles seine Ordnung haben müsse.

Man kann sich vorstellen, welche ironischen Bemerkungen sich die Ex-Kollegen gefallen lassen mussten, als sie einen Tag nach dem angeblichen Ende der Welt wieder arbeiten kamen.

Die Ausrede war, dass sich die „Wissenden“ verrechnet hätten, weil sie die Bibel falsch interpretiert hätten.
Aber sie waren forscher Dinge, dass bald wieder Weltuntergang wäre.

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