Simone und Dennis hatten einen schönen Tag, denn es war ihr Hochzeitstag, den sie jedes Jahr gebührlich feiern.
Zum Abschluss waren sie wie jedes Jahr bei ihrem Lieblingsrestaurant.
Wenn es um Essen geht, wird Nicole hellhörig.

Als klar wurde, dass der Tag da war, schrieb sie ihm wieder Kurznachrichten.

„Geht am besten zum Griechen oder Jugoslawen! Da gibt es immer sehr viel. Dann muss Mama mehr essen.“

Als Dennis dies ignorierte, schrieb sie ihm wieder ungefragt einen neuen „Geistesblitz“: „Oder Ihr geht zum Chinesen und nehmt ‚All you can eatAll you can eat Ein All-you-can-eat-Restaurant ist eine Art Restaurant, in dem ein fester Preis für den Eintritt berechnet wird. Danach können die Gäste so viel essen, wie sie möchten („ all you can eat” – „Alles, was Du essen kannst”) . All-you-can-eat-Betriebe bieten häufig Buffets an.‘“. Andere animieren dann Mama und sie isst vernünftig.“
„Ihr müsst nicht immer zum Mexikaner gehen! Beim Mexikaner gibt es ja nicht soviel. Man muss schließlich flexibel sein“, schob sie hinterher, „sich neuen Begebenheiten anpassen! Und einen Tisch abbestellen geht immer.“

Dennis schüttelte nur den Kopf über die neue „Gehirnakrobatik“ Nicoles.
Er hielt Simone den SermonSermon Langweiliges, weitschweifiges, nichtssagendes Gerede ohne Sinn und Verstand Nicoles hin, worauf diese sich an die Stirn fasste und den Kopf schüttelte.

„Ich begreife diesen Schwachsinn nicht“, machte Simone mit zynischem Unterton, „Gut, dass sie sonst nichts zu tun hat.“

„Ich komme da auch nicht mit“, antwortete Dennis, „dieses ewige Palaver über die MagersuchtMagersucht An Magersucht erkrankte Personen haben Angst davor, zuzunehmen oder zu dick zu sein. Daher schränken sie ihre Nahrungsaufnahme ein und nehmen immer weiter ab.! Wenn es nach ihr ginge, müsste ja die ganze Weltbevölkerung krankhaft unterernährt sein.“

Simone rollte genervt die Augen.

„Mit ‚sich neuen Begebenheiten anpassen‘ meint sie, dass man sich ihr anpassen soll. Ihrem Wahn“, schnaubte Dennis, 

Nachdem Dennis beflissentlich die Nachrichten von Nicole ignoriert hatte, saßen sie abends im mexikanischen Restaurant.
Punkt 19:00 Uhr kam wieder eine Nachricht von Nicole auf das Handy von Dennis.

„Was bestellt Ihr denn? Eine Grillplatte für Mama und eine für Dich?“

„Nicole, wir sind wie Simone und ich gebucht haben, beim Mexikaner.“

„Du hast gesagt zum Griechen oder Jugoslawen, weil es dort mehr gibt als beim Mexikaner. Ich denke nur an Mama. Dann bestell aber Vorspeisen! Mozzarella-Sticks sind kalorienreich. Mamas Rippen kann man ja zählen. Der dürre Hals muss auch weg.“

Dennis zeigte die Nachricht seiner Frau, worauf diese ein aggressives Gesicht machte. Dennis meinte: „Ich wusste nicht, wo man Deine Rippen zählen könnte. Und einen dürren Hals hast Du auch nicht.“

„Aber Du“, witzelte Simone, „deswegen der Rollkragenpullover.“
Beide lachten.

„Von nun an werde ich dieses Thema ignorieren. Wenn sie mich aber Eye-to-Eye darauf anspricht, werde ich sie direkt beim ersten Mal zurechtweisen. Dann kann sie meinetwegen heulen.“

„Das wird wirklich Zeit.“

„Dann schreib‘ Ihr bitte, dass es Dich nervt!“

„Dafür findet sich eine Gelegenheit. Das Dumme ist eben, dass sie Dich immer anschreibt und meint, Du sprächest nicht mit mir.“

„Die überfließende Fantasie“ ist eine never-ending Story.
Das größte Problem ist das Trauma von Nicole, die mit ansehen musste, wie ihre Mutter einen Magendurchbruch erlitt. Keine weiß, warum es so ist, aber sie bildet sich seitdem ein, Simone hätte Magersucht gehabt. Klarstellungen interessieren sie nicht. Sie lebt in ihrer verdrehten Welt und versucht den neuen Ehemann ihrer Mutter, Dennis, permanent gute Ratschläge zugeben, wie Simone zunehmen könnte, obwohl diese einen normalen Body-Mass-Index hat. Alles funktioniert bei Nicole unter dem Deckmantel, dass Simone nichts erfahren darf, weil sie es angeblich verdrängt hätte.

Das andere Problem ist, dass niemand – allen voran Simone – sich traut, Nicole wirklich Paroli zu bieten.

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