Wenn man zu schnell gefahren ist und dabei erwischt wurde, ist es für manche Leute anscheinend nicht so einfach, sich einzugestehen, dass man einen Fehler begangen hat und nun zur Kasse gebeten wird.

Bei einem Bekannten wurde eine „Geschwindigkeitsübertretung amtlich festgestellt“, wie es so schön heißt.
Im Klartext bedeutet dies, dass er zu schnell fuhr und „geblitzt“ wurde.
Er ist innerhalb geschlossener Ortschaft mit 60 km/h unterwegs gewesen. Die Toleranz von drei wird generell abgezogen.
Für sein Vergehen muss er 30 Euro bezahlen.
Er kennt die StVOStVO Straßenverkehrsordnung und hat einen Fehler begangen.

Für viele Autofahrer ist so, dass man generell zwanzig km/h zu schnell fährt.
Der Hintergedanke scheint wohl zu sein, dass es erstens kein Fahrverbot gibt und zweitens, dass es nicht so teuer ist.
„Es sind nur zwanzig zu viel“ oder „Es sind nur zehn zu viel“ wie bei meinem Bekannten kennt wohl jeder.
Und jeder fährt sowieso zu schnell.

Er gibt sich nun nicht damit zufrieden, die dreißig Euro Bußgeld zu bezahlen, denn er hat ja eine Rechtsschutzversicherung.
Nun wird Einspruch eingelegt, denn es wird behauptet, dass er das nicht gewesen sein kann. Fotos von Radarkontrollen sind generell etwas unklar. Jetzt schiebt man erst mal alles auf den Bruder, der ja fast so aussieht wie man selbst.
Der Bruder muss dazu dann auch Stellung nehmen.
Durch dieses Hin und Her soll angeblich einige Zeit ins Land gezogen sein und ein Ultimatum sei auch abgelaufen gewesen, so dass der Beklagte nicht mehr hätte zahlen müssen.

So etwas und Ähnliches macht er immer, wenn er beim permanenten Zu-Schnell-Fahren erwischt wird. Er streitet prinzipiell ab, es gewesen zu sein. Dann zieht einige Zeit ins Land und er braucht angeblich nicht mehr zu zahlen.

Er muss aber laut Gerichtsbeschluss ein Fahrtenbuch führen, in dem er genau aufschreiben muss, wann wer welche Strecke gefahren hat.

Das Gericht ist ja nicht blöd.

„Die wollen sich nur rächen, weil sie kein Recht bekommen haben“, sagt mein Bekannter immer.

Bei Unfällen zweifelt er übrigens die Kompetenz der Polizeibeamten an.

Er ist vor kurzen jemanden an einer Kreuzung leicht hinten ins Auto gefahren, weil er nicht aufgepasst hatte.
Allgemein gibt, dass derjenige, der auffährt schuldig ist.

„Schädigung eines anderen Verkehrsteilnehmers durch Auffahren auf ein stehendes Auto“, sagt man im Verkehrsrecht.
Das Bußgeld kostet in der Regel fünfunddreißig Euro.

Jetzt wird sich ein Anwalt genommen – Stichwort Rechtsschutzversicherung – und man kritisiert, dass dieser „Sachverhalt“ eines Auffahrunfalls von der Polizei, die hinzugezogen wurde vom Geschädigten, falsch aufgenommen wurde. Das Auto vor einem hätte sich noch im Rollen befunden, also wäre das nicht das Auffahren auf ein stehendes, sondern auf ein (noch) rollendes Auto gewesen.
Das kann niemand beweisen. Zudem spielt das auch keine Rolle. Sowohl das eine als auch das andere kosten 35 Euro.
Es war ein Auffahrunfall, was bedeutet, dass er auf ein anderes Auto gefahren ist.
Nun wird angezweifelt, ob der Geschädigte vielleicht doch nicht berechtigt gebremst habe.

Das sind kleine Dinge, an die man sich aufhält, um bloß nicht zugeben zu müssen, dass man unaufmerksam war.

Mein Bekannter meint aber auch, dass er es deswegen mache, damit er in der Auto-Haftpflicht-Versicherung nicht steige.
Das ist ein vorgeschobener Grund, denn eine „Haftpflicht“ ist dazu da, Schäden an anderen Autos zu begleichen.
Man nimmt sich also eine Rechtsschutzversicherung, um möglichst nicht in der „Haftpflicht“ hochzugehen.
Ob das die „Finanzen“ ausgleicht und ob es sich finanziell gesehen rentiert, sei mal dahin gestellt.

Andererseits stellt man sich die Frage, warum er auch bei Geschwindigkeitsübertretungen Einspruch einlegt.
Für sowas ist die „Haftpflicht“ gar nicht zuständig.

Bleibt also der Verdacht, dass man nicht fähig ist, selbstkritisch zuzugeben, dass man sich falsch verhalten hat.


Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Gedanken