Die Corona-Krise ist leider noch nicht überstanden, wie viele gehofft hatten.
Momentan – Stand 16.10.2020 – gibt es in Deutschland circa 7 300 Neuinfektionen.
Seit zwei, drei Wochen steigen diese Zahlen drastisch.

Ein Indikator für Infektionen ist die sogenannte „Inzidenz“. Diese sagt aus, wie viele Neuinfektionen es auf 100 000 Einwohnern (bezogen auf sieben Tage) gibt.
Die Inzidenz kann manchmal von einem auf anderen Tage Sprünge nach unten oder oben machen, die man nicht immer nachvollziehen kann.

Die Umrechnung der Neuinfektionen in Inzidenz ist sehr einfach.

Im Landkreis Böblingen wohnen etwa 385 000 Menschen.
Wenn jetzt 385 Personen von einem Tag auf den anderen erkranken würden, müssen wir diese Zahl nun in eine Inzidenz umrechnen.
Dazu benutzt man den Dreisatz.
Als erstes berechnet man, wie das Verhältnis ist der Erkrankten zu einer Person.
Man teilt also die 385 durch 385 000 und erhält 0,001.
Auf eine Person wären theoretisch 0,001 infiziert worden.
Das ist noch nicht wirklich aussagekräftig.
Nun multiplizieren wir die Zahl mit 100 000, weil wir ja wissen wollen, wie hoch die Inzidenz ist.
Wir erhalten eine Inzidenz von 100.
Auf 100 000 Einwohnern haben sich 100 neuinfiziert.

Nun bezieht sich die Inzidenz aber auf sieben Tage. Das bedeutet, dass die Inzidenz jeden der sieben Tage addiert wird.

Diese Tabelle zeigt die Zahl der Neuinfizierten vom 11.10. an.
Die Spalte „Neue“ zeigt die Neuinfizierten an.
Die Spalte „Inzidenz“ zeigt die rein rechnerische Inzidenz von einem auf den anderen Tag an.
Die Spalte „Inz RKI“ ist die vom Robert-Koch-Institut ermittelte Inzidenz über sieben Tage.
Sie Spalte „Insg.“ zeigt die momentan Infizierten an und ist nur informationshalber zu sehen.

Am 12.10. ist die Inzidenz im Landkreis 6.29 gewesen.
Der Anstieg der „Inzidenz RKI“ steigt ungefähr um diesen Wert, was aber da herrührt, dass ich einfachhaber mit 385 000 rechne, die Zahl aber „real“ bei 385 888 liegt, Stand 2016.
Der Anstieg der ist also annähernd richtig.

Nun betrachten wir den 13., 14. und 15.10.!

-33 und –44 bedeutet, dass 33 beziehungsweise 44 Personen genesen sind.

Die Inzidenz von –9,43 und –12,57 scheint aber nicht mathematisch aufzugehen bezüglich der vom RKI.
Am 13. zum 14.10. funktioniert es ungefähr, aber dann nicht mehr.
Überraschende Ergebnisse liefert auch der 15.10. mit 42 Neuinfizierten.

Es spielen zwei Dinge mit hinein.

Die Definition der Inzidenz betrachtet den rechnerischen Anstieg der Neuinfizierten auf 100 000 Einwohner. Zudem wird diese immer über einen Zeitraum von sieben Tagen betrachtet.

Wenn vom 13. auf den 14.10. 33 Personen genesen sind (Inzidenz –9,43) , sackt die Inzidenz über sieben Tage (RKI) ungefähr um diesen Wert ab.
Einen Tag später, aber nicht um –12,57 gesunken, sondern um knapp 12 hoch!
Am 16.10. sind 42 neuinfiziert, was aber nur um circa 7 bei der Inzidenz (RKI) ansteigt.

Laut Definition zählen nur die Neuinfizierten.

Jetzt wird es etwas mathematischer!

Wenn am 14.10. die Inzidenz (RKI) auf 30,9 sinkt, ist sieben Tage zuvor anscheinend ein sehr kleiner Inzidenz-Wert vorhanden gewesen.
Das Fenster der Betrachtung ist ja immer nur sieben Tage.

Am 15.10. steigt der Wert trotz rückläufiger Zahlen von –44 (-12,57) nach oben.
Es muss eine „Tages-Inzidenz“ von +12 aufgetreten sein.

Da liegt das Problem, das viele Menschen nicht sehen.

Wenn der Inzidenz-Wert um 12 nach oben geht, müssen also auch umgerechnet 42 Personen neuinfiziert sein.
Die .-44 sind nur ein rechnerischer Wert.

Von 42 muss man jetzt auf –44 kommen, damit die Rechnung stimmt.
Das Ergebnis ist 86, denn 42 – 86 ergibt –44.
Im Klartest sind also 86 Personen genesen.
Diese tauchen aber in der Inzidenz des RKI nicht auf, weil sie per Definition nicht relevant sind.

Genau hier liegt der Knackpunkt!

Vorige Wochen begann ich damit, diese Tabelle, von dem ein Ausschnitt zu sehen ist, zu konzipieren.
Ich wollte nur wissen, ob ich die Berechnung der Inzidenz bezogen auf sieben Tage in Wort fassen kann, damit ich sie anderen erklären kann.

Während ich diesen Text schrieb, fiel mir mehrmals auf, dass ich meine Betrachtung ändern musste.
Zudem musste ich sehr tief in die Berechnung von Werten um Neuinfizierte und Inzidenzen (Dreisatz und Verhältnisse) einsteigen.
Man muss ja nicht nur die negativen zahlen – Rückgang und Anstieg – betrachten, sondern dies noch rückwärts von den täglichen Inzidenzen betrachten.
Die Herangehensweise ist nicht einfach.

Im Nachhinein betrachte, kann ich verstehen, dass manche Menschen glauben, dass die Statistiken gefälscht sind.
Das Umdenken und Hin‑ und Her-Rechnen mit positiven und negativen Werten war nicht so einfach.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Gedanken