Sternekoch, Restaurant-CoachCoach Jemand, der Klienten berät und betreut („coacht”), um deren berufliche Potenziale zu fördern und weiterzuentwickeln und Fernsehkoch Frank Rosin hat eine neue Serie beim Sender „Kabel.1“ erkoren. Er möchte Leuten, die nie eine Chance hatten, eine Ausbildung als Koch ermöglichen. Dazu müssen sie sich bewähren.

Die Kandidaten sind „Verlierer“, die nie etwas erreicht haben, ehemalige Drogensüchtige, welche, die in der Justizvollzugsanstalt saßen, sowie welche, die durch widrige Umstände nichts zustande bekommen haben oder einfach „aus der Gesellschaft und dem Arbeitsmarkt herausgefallen“ sind. 

In „Rosins Heldenküche – Letzte Chance Traumjob“ treten zehn Personen an, die auf eine Ausbildung in einem (Sterne‑)Restaurant oder in Frank Rosins Restaurant hoffen. Dazu sind sie knapp zwei Monate in Obhut von Frank Rosin und seinem Team, um kochen zu lernen.

Die Serie ist nichts Neues, denn es gab von dem ehemaligen TV-Restauranttester Christian Rach schon so etwas im Jahr 2010.

Die Kandidaten oder Teilnehmer haben keinen Schulabschluss, was auch einer der Gründe neben der schlimmen Lage, in der sie sich befanden und befinden, ist, sie nicht einzustellen, sei es als Auszubildender oder eine Stelle mit mehr oder weniger Vollzeit.

Rosin erklärt seinen „Schützlingen“ zu Beginn, worauf es ankommt: 

Pünktlichkeit, Disziplin und Teamarbeit sowie Hygiene. 

Mit der Disziplin und der Pünktlichkeit hapert es schon am ersten Ausbildungstag.
Einer der Teilnehmer verschläft am ersten Tag und kommt erst am nächsten, anstatt am ersten später zu erscheinen.
Eine Frau hat nach dem ersten Tag Bauchschmerzen und meldet sich krank.
Ein anderer meldet sich am darauf folgenden Tag krank, weil er Knieprobleme vom Stehen hat.
Rosin versucht, beide zum Weitermachen zu animieren, doch es scheitert.

Aber auch beim Kochen funktioniert es nicht wirklich.

Einfache Aufgaben wie ein Wiener Schnitzel nach Vorgaben inklusive mehrmaligem Zeigen, wie es funktioniert, zu braten oder das Zubereiten von Reibekuchen erfordert bei den meisten schon die ganze Konzentration. Nach kurzer Zeit sind die Aufmerksamkeit auf die Aufgabe zu Ende.
Bei der Teamfähigkeit sieht man auch Probleme, denn die meisten hatten noch nie mit anderen zusammen an einem Strick gezogen.

Das, was dort passiert, ist nichts Ungewöhnliches …

Ich habe für das damalige Arbeitsamt und für die Jobagentur beziehungsweise für das Job-Center zum Teil auch LangzeitarbeitsloseLangzeitarbeitslose Langzeitarbeitslos” ist jemand, der mindestens ein Jahr lang arbeitslos ist. umgeschult zu Fachinformatikern ApplikationsentwicklungApplikationsentwicklung Applikationsentwicklung ist das Planen und Programmierung von Anwendungen (Apps oder Programme) für Computer, Smartphones und vieles mehr.. Zudem war ich auch bei der Integration von Arbeitslosen in den Arbeitsmarkt tätig.
Wir hatten „Problemfälle“ zuhauf, nicht nur bei den Fachinformatikern, sondern auch bei der Integration. 

Bei den Fachinformatikern hatte ich einen Kurs übernommen, bei dem es arge Probleme gab.
Meine Vorgänger, die diesen Kurs leiteten, traten mit hehren Zielen an.
Sie rekrutierten aus Kursen rund um „Bürosoftware“ – Textverarbeitung, Tabellenkalkulation und ähnliches – ihre Auszubildenden und Umschüler.
Dabei hatten sie anscheinend ein zu großes Herz.
Der Kurs ging fast nach einem Jahr den Bach herunter, weil man mehr auf „Problemfälle“ das Augenmerk legte als auf Qualifikation und Kenntnisse.
Es gab welche, die am sogenannten Fluchtsyndrom litten.
Wenn es Programmieraufgaben gab oder Klausuren anstanden oder unangekündigt stattfanden, fehlten einige oder meldeten kurz danach krank.
Das hatte bei meinen Vorgängern funktioniert.
Ich ließ mich auch erst blauäugig darauf ein.

Bei einem Delinquenten – Bernhard genannt – war es extrem.
Wenn es eine Aufgabe gab, meldete er sich mit Bauchschmerzen krank und war dann erstmal weg.
Ein oder zwei Tage später war er wieder da.
Das ließ ich mir ein paarmal gefallen, doch dann nahm ich ihn aus dem Unterricht und ließ ihn sich bei mir im Büro am Computer anmelden und gab ihm die Aufgaben, die er versäumt hatte.
Er verspürte urplötzlich Bauchschmerzen und wollte sich krankmelden.
Ich machte ihm klar, dass ich keine Bewertungsgrundlage hätte und er mir jetzt etwas liefern müsse.
Er redete sich heraus, dass er sich schlecht fühle und gerade an diesem Tag sei es extrem schlimm.
Nach einem kurzen klärenden Gespräch mit mir, entschied er sich, die Umschulung abzubrechen, weil er sich laut eigenem Bekunden nicht von uns Ausbildern schikanieren ließe.
Die anderen, die immer flüchteten oder sich herausredeten, wenn etwas daneben ging, gingen irgendwann auch von allein, weil sie merkten, dass mit mir nicht gut Kirschen essen war.

Genau diese Strukturen und Situationen passieren bei Rosins Heldenküche beziehungsweise Heldenköche auch.

Anstatt sich einzugestehen, dass man nicht fähig ist, Aufgaben zu lösen, rennt man zuerst davon und flüchtet sich in Krankheiten. Danach sucht man bei anderen die Probleme.
Bei Rosin sah man das bei dem jungen Mann mit den Knieproblemen.
Er sagte bei der „Wiener-Schnitzel-ChallengeChallenge Ein Wettbewerb oder eine Herausforderung“, dass es nicht geklappt habe, ließ aber anklingen, dass er Schmerzen im Knie habe.
Rosin ging am nächsten Tag mit ihm zum Arzt und wartete draußen.
Der Arzt hatte den jungen Kochanwärter krankgeschrieben.
Rosin sagte, er solle sich überlegen, ob es mit dem Knie überhaupt ginge, den Beruf als Koch auszuüben, wenn er schon nach einem Tag Probleme hätte.
Der junge Mann hatte vor über einem Jahr eine angerissene Kniescheibe gehabt, die aber verheilt gewesen war.
Anstatt aber einzusehen, dass ein Beruf, bei dem er lange stehen und viel laufen muss, nichts für ihn wäre, attackierte er Rosin mit Vorwürfen, dieser sei nicht anders als die anderen und würde ihm auch keine Chance geben.
Rosin wollte ihn eigentlich herauswerfen, entschied sich dann doch anders. 

Weiter ging es mit der „Party-Generation“.
Ein paar Personen hatten an einem Abend lange gefeiert und waren einen Tag nicht voll bei der Sache.
Als Ausrede hieß es von ihnen, dass jeder in seiner Ausbildung mal über die Stränge geschlagen habe.
Am darauffolgenden Morgen – nach wieder einer durchzechten Nacht – warf Rosin einem von der Clique allerdings vor, er solle nicht immer mit Ausreden kommen, sondern zumindest für sich Verantwortung übernehmen und die Chance nutzen, die er bekommen habe.

Da mir das Gehabe von den Kandidaten irgendwann auf den Geist ging, da ich genau die gleiche Erfahrung gemacht hatte, schaltete ich den Fernseher aus.

Ich dachte noch einige Zeit über das Gesehene nach.

Ich hatte im Anfang auch gedacht, dass man Leute nur motivieren müsste.
Leider war dem nicht so.
Rosin wird es irgendwann auch merken, bedauerlicherweise!


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