Während einer langwierigen Diskussion meinte mein Gegenüber: „Nicht, dass Du jetzt meinst, ich wäre Rechter, aber die Aufgefischten vor Tripolis gehören nach Libyen zurück und nicht 300 Kilometer nach Italien gebracht werden. Das ist doch Werbung für die Schlepper, die dann sagen: ‚Hat geklappt, was wir versprochen haben.‘“.

Als Deutscher muss man sich immer von der eigenen Meinung distanzieren, wenn sie nicht „politisch korrekt“ ist.
Das verlangt die Historie und der Anstand sowie.

In diesem Fall ist die Sache prekär, weil man ja vielleicht im aller entferntesten etwas gegen Flüchtlinge oder Ausländer haben könnte. Dass man den Flüchtlingen nicht gönnt, ihr Leben zu verbessern, eben aus der Anschauung heraus, dass man Ausländer hasst.

Das könnte ja sein!
In diesem Fall ging es aber um etwas Anderes.

Wir diskutierten über ein Buch, das von der Bundeszentrale für politische Bildung herausgegeben wurde und in dem mehrere investigative Journalisten über die Schlepperbanden in und um Afrika und Arabien berichten. Sie zeigen auf, wie genau das Schleppersystem funktioniert und welche Strukturen es genau hat. Sie waren vor Ort und hatten auch Schlepper und deren Handlanger kennengelernt.
Die Autoren schreiben auch, wie die Schlepper Hilfsorganisationen für ihre Zwecke missbrauchen und ausnutzen.
In dem Buch geht darum, wie Schlepper Personen, die nie ein Anrecht als Asylanten bekämen, nach Europa transferieren und dabei einen riesigen Reibach auf Kosten Anderer mittels falscher Versprechen machen.

„Politisch korrekt“ wäre es zu sagen, dass es aber auch echte Asylanten gebe, die in das Raster nicht hinpassen, das im Buch beschrieben wird.
Dies wirklich politisch Verfolgten benutzen auch diese Schlepper, aber das ist ein kleiner Anteil, worum es im Buch nicht geht. Es geht um die kriminellen Machenschaften der Schlepper.

Die Distanzierung von der eigenen Meinung berührte mich, denn sie zeigt das verlogene System auf.
Es geht nicht primär um die eigene Meinung, sondern man schaut sich um und überdenkt dann, ob niemand meinen könnte, man wäre rechtsradikal.

Kapitänin Carola Rackete nahm vor der libyschen Küste Flüchtlinge eines gekenterten Bootes auf. Sie funkte zuständige Behörde in Malta an, dass sie 53 Flüchtlinge auf der Sea Watch 3 habe und diese zu ihnen bringen würde.
Malta lehnte genauso wie andere ab. In Italien wurde Rackete unter Hausarrest gestellt.

Es entbrannte eine Diskussion um das Verhalten Racketes.
Dabei kamen auch Kritiker zu Wort, die nicht damit einverstanden waren, dass Rackete gegen die Anordnungen der Behörden nach Italien gekommen war, anstatt wie das Seerecht es will nach Libyen zurückkehren gemusst hätte mit den Fast-Ertrunkenen.
Viele sagten, dass das Verhalten Racketes deswegen nicht hinzunehmen sei, da sie Menschen vor dem Ertrinken gerettet habe, aber mit ihrer Überbringung dieser nach Europa den Schleppern einen riesigen Dienst erwiesen hätte.

Die Kritiker wurden abgetan mit den Worten, dass sie eben ausländerfeindlich seien.
Wie man sich denken kann, knickten viele der Kritiker ein und schwiegen lieber, anstatt diese Schmach auf sich zu nehmen.

Die Schmach, ihre Meinung zu sagen!

Im „politisch korrekten“ Kontext darf sowas nicht sein, weil man ja moralisch verwerflich denke.

Es ist also moralisch verwerflich, darüber nachzudenken, dass Schlepper profitieren, wenn Flüchtlinge, die nach Europa gebracht werden, die eigentlich laut Seerecht zurückgemusst hätten?

So scheint es, aber ist es nicht.

Bestimmte Personen glauben nämlich, dass sie die moralische Deutungshoheit über Themen gepachtet haben.
Es interessiert sie nicht die Meinung einer anderen Personen, sondern nur, ob das was sie sagt, in das eigene Raster der Verwerflichkeit passt. Passt es nicht, kommen sie mit ihren Pseudoargumenten.
Leider hat es sich insbesondere in Deutschland „eingebürgert“, Personen, die nicht die eigene Meinung oder Wertevorstellung haben, also Rechtsradikal oder Nazi zu bezeichnen.

Was pflegte meine Oma zu sagen?

„Fass mal Deinen Kopf an, ob Du noch warm bist!“

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Gedanken