Ihr Name war Christine und sie war Agrartechnikerin. Sie engagierte sich auch politisch und war strammes Mitglied der SED.

Wir waren bei Verwandten zur silbernen Hochzeit eingeladen. Da wir nicht so oft in die DDR kamen, reichte man uns bei der Familie durch.
Mein Vater war übrigens im Jahr 1956 geflohen.
Es war eine schöne Möglichkeit, mal wieder mit der Verwandtschaft auf seiner Seite zusammen zu sein und zu feiern.

An jenem Tag waren wir bei Christine eingeladen, der Cousine meines Vaters. Wir wurden im Vorfeld schon gewarnt, uns mit unserer Meinung „etwas“ zurückzuhalten.

Es gab selbstgemachte Pizza, gebacken auf sehr dickem Papier.

Meine Mutter monierte, dass dies Rohstoffverschwendung wäre und man dies hätte auch dünner machen können.
Christine fühlte sich und die DDR persönlich angegriffen und machte klar, dass die DDR sowas wie Papier, durch das man durchgucken könne, überhaupt nicht nötig habe und der Westen – der „Kapitalismus“ – sich mit Umweltschutz nur brüskiere, ansonsten aber alles verschwende.

Da wir alle schon, bevor es Abendessen gab, genervt waren von den Lobeshymnen Christines auf den „real-existierenden Sozialismus auf deutschem Boden“, brach bei mir auch der Damm und ich fragte, was denn daran schlimm sei, wenn man Papier dünner mache, um Ressourcen zu sparen.

Die Argumente kannte ich von gerade schon und hakte nach, worauf Christine erklärte, dass es in der DDR „SERO“ – „sekundäre Rohstoffe“ gäbe, die gesammelt würden.
Das befriedigte nicht meine Frage, und ich konterte, dass es in der DDR nicht um ökologische Gründe ginge, sondern um ökonomische, was „SERO“ angehe.

Ganz dünnes Eis!

Während ich Christine eine Bühne für ihre Propaganda über das sozialrealistische Wirtschaftssystem gab, von dem wir „Wessis“ keine Ahnung haben, hielten sich die anderen Verwandten zurück und machten Gesten, ich solle aufhören zu diskutieren.

Meine Argumentation, man solle doch mal die Wirtschaftssystem außer Acht lassen und neutral darüber sprechen, dass es nicht notwendig sei, solch dickes Papier zu benutzen.

Christine glaubte, dass ich etwas über die DDR gelernt hätte.
Das habe ich.

Man sollte bei SED-Mitgliedern nicht verlangen und erwarten, dass sie selbstständig denken!

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