Am Montag, den 21.2.2022, rief mein Vater mich an, um mir mitzuteilen, dass er in Kürze ins Krankenhaus käme. Er wurde positiv auf das CoronavirusCoronavirus Das Coronavirus (SARS-CoV‑2) verursacht eine schlimme Lungenkrankheit (COVID-19), die auch tödlich enden kann. getestet. Seine Sauerstoffsättigung im Blut sah nicht gerade gut aus.

Wir redeten noch ein paar Minuten miteinander, dann legte er auf, weil er noch ein paar Bekannte anrufen wollte.
Mein Vater wohnt in einem Altenheim in Nordrhein-Westfalen, etwa 600 Kilometer von mir entfernt.
Ich machte mir Sorgen, weil er an der Lungenkrankheit COPDCOPD COPD – auch „Raucherlunge” genannt – ist eine chronische Lungenkrankheit, bei der die Atemwege dauerhaft verengt und entzündet sind. Betroffene haben oft Atemnot. litt.
Zwei Wochen könnte ich ihn wohl erstmal nicht besuchen, weil er auf die CovidCoronavirus Das Coronavirus (SARS-CoV‑2) verursacht eine schlimme Lungenkrankheit (COVID-19), die auch tödlich enden kann.-Station kommen sollte und dort ist kein Besuch erlaubt. 

Morgens gegen zehn erfuhr ich vom Personal im Altenheim, dass er im Evangelischen Krankenhaus war.
Überraschenderweise wusste dort niemand, wo er war.
Nach langem Hin und Her erfuhr ich, dass die Covid-Station des Evangelischen Krankenhauses am Abend zuvor abgemeldet wurde, weil sie niemanden mehr aufnehmen konnte. 

Keiner wusste, wo mein Vater sich befand.

Nach langem Herumtelefonieren bei mehreren Krankenhäusern kam heraus, dass das Marienhospital ihn aufgenommen hatte.
Ich erfuhr, dass man ihm Sauerstoff gab und dass er wieder eine höhere Sättigung hatte.

Man muss sich in meine Situation hineinversetzen.
Ich rufe beim Evangelischen Krankenhaus an und erfahre, dass niemand weiß, in welches Krankenhaus er gekommen ist. Er war in der Notaufnahme dort gewesen, doch das Krankenhaus konnte ihn nicht aufnehmen, weil die Covid-Station keine Kapazitäten mehr hatte. Der Krankenwagen war weitergefahren. Niemand im Evangelischen Krankenhaus hatte erfahren, wohin es anschließend ging: Vielleicht hatte das Personal des Krankenwagens auch noch einige Absagen bekommen unterwegs.
Ich suchte mir einige Krankenhäuser heraus und telefonierte hinter meinem Vater hinterher.
Nach einigen nervenaufreibenden Telefonaten erfuhr ich, wo er lag.

Das Gute war, dass das Personal der Covid-Station mir gegenüber sehr nett und zuvorkommend war.
Meinem Vater ging es gut. Geschuldet ist dem auch, dass er gegen das Coronavirus geimpft und geboostert ist. Angst hatte ich anfangs, weil er an COPD leidet, doch er „steckte“ Covid einfach so weg.

Nachdem mein Vater nach knapp zwei Wochen von der Covid-Station auf die geriatrische zum Auskurieren verlegt wurde, konnte ich endlich wieder mit ihm telefonieren. Ich hatte ihm vom Personal der Covid-Station jeden Tag schöne Grüße bestellen lassen, worüber er sich sehr gefreut hatte.
Ich versprach ihm, dass wir an dem Freitag danach zu Besuch kämen.

Einen halben Tag später wurde bei mir eine Infektion mit dem Coronavirus festgestellt.
So musste ich meinem Vater leider wieder absagen.

Ich telefonierte im täglichen Wechsel mit meinem Vater und dem Personal der Geriatrie.

Am Samstag, den 12.3.2022, passierte es dann! 

Ich rief auf der Station an. Eine neue Krankenschwester, die laut eigenem Bekunden erst seit diesem Tag dort beschäftigt war, kannte ihn nicht und eröffnete mir, er sei entlassen worden.

Voller Freude rief ich beim Altenheim an, doch dort wusste niemand etwas.
Ich intervenierte, dass mein Vater vielleicht noch unterwegs sein könnte, doch man sagte, wenn so etwas einträfe, informiere man das Altenheim.
Die Pflegerin hatte seit der Einlieferung meines Vaters nichts mehr von ihm gehört und erfahren.
Ich berichtete ihr, was vorgefallen war.

Dann rief ich beim Marienhospital wieder an und sagte, ob sie sich sicher gewesen sei, dass mein Vater an diesem Tag entlassen worden wäre.
Nach einigem Hin und Her und vielen Ausreden und Ausflüchten erfuhr ich, nachdem ich etwas „ungemütlich“ geworden war und mit einem Anruf bei der Klinikleitung gedroht hatte, dass er „irgendwie“ entlassen worden wäre, aber „irgendwie“ doch nicht. Er war verlegt worden ins Evangelische Krankenhaus.
Das wurde mir dort auch bestätigt.
Beim Altenheim sagte ich freundlicherweise Bescheid.

Gäbe es mehr Personal, hätte man sicherlich besser Auskunft geben können!
Man sieht eindeutig, dass seit vielen Jahren Krankenhäuser und Pflegeheime kaputtgespart werden.
Es gibt sogenannte „diagnosebezogene FallgruppenDiagnosebezogene Fallgruppen Diagnosebezogene Fallgruppen” definieren, wie viel Kosten eine Krankheit bis zur Genesung bzw. Behandlung verursachen darf. Es ist ein sehr kritisiertes Klassifikationssystem für rein pauschalierte Abrechnungsverfahren im medizinischen Bereich.“ (sogenannte „DRGDiagnosebezogene Fallgruppen Diagnosebezogene Fallgruppen” definieren, wie viel Kosten eine Krankheit bis zur Genesung bzw. Behandlung verursachen darf. Es ist ein sehr kritisiertes Klassifikationssystem für rein pauschalierte Abrechnungsverfahren im medizinischen Bereich.“), die eindeutig festlegen, welche Leistung wie lange dauern darf und wie viel Geld dafür abgerechnet werden darf.
Zum Beispiel wird für eine Blinddarmoperation festgelegt, wie lange der Patient im Krankenhaus verweilen darf und wann er wieder „gesund“ zu sein hat. Was über diese „Leistung“ hinausgeht, kann nicht abgerechnet werden. Jeder Tag mehr wird nicht berechnet.
In einem Personalschlüssel wird zudem festgelegt, wie viele Personen vom Personal einen Kranken betreuen müssen.
Auch muss alles exakt und gründlich dokumentiert werden, was zusätzlich gemacht werden musste.
Es kann ja sein, dass bei einer Person die Heilung beziehungsweise Genesung nicht so schnell vorangeht, wie in den DRG vorgeschrieben.
Man kann verstehen, dass Krankenhaus‑ und Pflegepersonal kaum mehr zu etwas kommen, um möglichst zeitnah laut DRG ihre Arbeit zu machen.

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