Vor knapp eineinhalb Jahren kam ein Kollege in mein Büro und hatte ein Problem, das schnell gelöst werden konnte.
Da er eine schwarze Hautfarbe hatte und ich den Akzent nicht einordnen konnte, fragte ich ihn, welches seine Wurzeln seien. Er reagierte erbost und warf mir vor, dass es immer noch Rassisten wie mich gäbe, wenn man Unterscheidungen bei der Hautfarbe oder Nationalität mache.
Ich machte ihm klar, dass es mir nicht darum gehe, sondern es mich einzig und allein interessiere, welcher Kultur jemand angehöre, schließlich sei ich mit Ausländern aufgewachsen. Ich sagte auch, man solle fragen, wer wirklich der Rassist wäre.

Zwischendurch habe ich ihn mal gesehen, aber mehr als freundliches Grüßen gab es nicht zwischen uns.

Ich habe auch Kollegen, die aus dem Ausland stammen oder solche Wurzeln haben. Ich hatte noch nie mit ihnen Probleme gehabt.

Plötzlich stand der Kollege wieder vor mir und hatte ein Problem. Der Vorteil ist, dass ich ein großes Kollegennetzwerk habe und alles lösen konnte, zu seiner Zufriedenheit.

Zu meiner Kollegin, deren Eltern aus Nepal stammen, sagte ich, dass er sich zwar nett und zuvorkommend benehme, aber mir vor einiger Zeit ziemlich dumm gekommen wäre und mich als Rassisten bezeichnet hätte.
„Du und Rassist? Wie kam er darauf?“
„Ich habe ihn einfach gefragt, aus welchem Land er stammt, und weil ich seinen Akzent nicht deuten konnte.“
Auf Nachhaken erzählte ich ihr, wie und warum er mich als Rassisten bezeichnet habe.

„Jemanden nach seiner Herkunft zu fragen ist ja auch unhöflich“, sagte sie mir, „Leute wie er werden immer gefragt, woher sie kommen und werden irgendwann sauer.“
Ich intervenierte, dass ich lediglich aus Interesse gefragt hätte.
Sie wiederholte ihren Standpunkt, dass so etwas unhöflich wäre und ich über mich nachdenken solle und mich fragen solle, ob ich eine Affinität hätte, andere zu beleidigen.

Ich brach das Gespräch irgendwann ab.

In unserer Gesellschaft scheint man nur noch „politisch korrekt“ handeln zu dürfen.
Es gilt, niemanden bewusst oder unbewusst im Geringsten „beleidigen“ zu dürfen. Jemand könnte sich ja angegriffen oder diskriminiert fühlen, wenn ein falsches Wort fällt.

Ich sagte polemisch zu meiner Kollegin: „Ich wohne ja hier in Baden-Württemberg, komme aber aus Nordrhein-Westfalen. Ab und zu sagen Leute zu mir ‚Sie kommen aber nicht von hier.‘, weil ich kein Schwäbisch, sondern Hochdeutsch spreche. Sind die Leute dann auch unhöflich?“
Meine Kollegin meinte: „Nein! Das hört man bei dir ja heraus.“

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Gedanken