„Jus primae noctis“ oder „Das Recht der ersten Nacht“ bezeichnet das Recht des Gebietsherren oder Lehensherren, die erste Nacht mit der Braut seines Untergebenen verbringen zu dürfen.
Das Recht der ersten Nacht ist in der frühen Neuzeit und während der Aufklärung in literarischen Werken dargestellt und mehrfach beschrieben worden. Ob es jemals tatsächlich bestand, ist stark umstritten.

In der Komödie „‚Der tolle Tag‘ oder ‚Die Hochzeit des Figaro“‘ wird dies von Pierre-Augustin Caron – ab 1757: Caron de Beaumarchais – thematisiert. Der Autor setzt sich mit den Machtansprüchen der Obrigkeit auseinander. Das Stück entstand vor der Französischen Revolution. Zu dieser Zeit brodelte es schon sehr in Frankreich. Die Komödie skizziert den Konflikt zwischen dem Adel, der sich über moralische Werte hinwegsetzt, und seinen unter dem Einfluss der Aufklärung selbstbewusster gewordenen Untergebenen.

Geschichtlich genannt, aber nicht belegt, wird das „Jus primae noctis“ im dritten Jahrhundert vor Christi Geburt im Gilgamesch-Epos genannt. In diesem Epos übt Herrscher Gilgamesch seine Macht aus, in dem er dieses für sich beansprucht.

In der Mitte des dreizehnten Jahrhunderts wird das sogenannte „Herrenrecht“ in einem Gedicht über Bauern in Normandie (Frankreich) erwähnt. Auch in einem Roman über Kreuzritter taucht es auf. In diesem im Jahr 1350 erschienenem Werk wird sich sehr mit der Mitgift beschäftigt. Diese zahlt der Vater der Braut an den Vater des Bräutigams.
Im germanischen Eherecht gibt es auch das sogenannte „Mundium“, das so gesehen wird, dass der Bräutigam dies zahlen muss, damit er seine Braut nach Hause – in das gemeinsame Haus – führen darf. Damit war die (erste) „eheliche Pflicht“ verbrämt.
In manchen Quellen wird auch dargestellt, dass der Bräutigam dem Gebietsherren dieses Mundium zahlen musste, als Gewohnheitsrecht sozusagen.

Daraus könnte sich das „Jus primae noctis“ entwickelt haben.

Es gibt kein niedergeschriebenes Gesetz, in dem dieses „Herrenrecht“ genannt wird.
Auch gibt es keine Schilderungen, wo oder wann die Ausübung stattgefunden haben mag.
Einziges schriftliches Zeugnis ist ein Urteil des spanischen Königs Ferdinand II., der einen solchen Anspruch als Missbrauch bezeichnete und ihn für null und nichtig erklärte.
Was genau dahinter steckte, kann allerdings nicht mehr nachvollzogen werden.

Es kann also davon ausgegangen werden, dass es das „Recht der ersten Nacht“ real nie gegeben hat, sondern dass es als Ammenmärchen oder als Machtfantasie mancher „Herrscher“ oder auch Autoren angesehen werden kann.

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