Heute war ich wieder im Krankenhaus, um einen Freund zu besuchen.
An der Einlasskontrolle war die studentische Hilfskraft tätig, die mir beim vorigen Mal eine seltsame Geschichte erzählt hatte. 

Sie hatte einen Oberarzt freundlich darauf hingewiesen, er möge bitte seinen Mund-Nasen-Schutz aufsetzen. Dieser hat sie etwas später vor anderen Ärzten vorgeführt.
Der Vorgesetzte der studentischen Hilfskraft hatte ihr allerdings Eskalation vorgeworfen und sie gerügt. 

„Sie sind doch der nette Herr“, begrüßte sie mich, „Die Sache, die ihnen voriges Mal erzählt habe, hat eine positive Wendung für mich genommen.“ 

Ich schaute sie fragend an und sie machte eine Geste, zu folgen: „Es kommt ja momentan kaum jemand. Das schafft mein Kollege alleine hin.“ Wir gingen ein paar Meter von ihrer Arbeitsstelle in die Nähe einer Sitzecke.
Dann berichtete sie mir. 

Noch am selben Tag kam eine Ärztin zu uns und brachte uns die Liste mit den genehmigten Besuchern.
Ich wunderte mich, dass sie mich so anstarrte. Ich dachte erst, das läge an mein grelles, pinkfarbenes T‑Shirt.
Auf mein Nachhaken, ob wir uns kennen, nickte sie leicht und bestätigte auch, dass sie auch vor dem Besprechungsraum gestanden habe, als der Oberarzt mich denunziert hatte.
Sie habe nichts gehört und hätte nichts mitbekommen von dem, was der Oberarzt oder ich gesagt hätten.
Dann war sie wieder schnell weg.
Aber jetzt kommt’s!
Am nächsten Tag war ich beim Stellvertreter meines Vorgesetzten, weil ich etwas benötigte. Er wollte wissen, was denn genau passiert sei. Schließlich habe sich der Oberarzt lauthals über mich bei meinem Vorgesetzten per Telefon beschwert.
Ich erklärte es ihm. Dann riefen wir bei der Ärztin an, die mir die Listen gebracht hatte.
Diese versuchte sich wieder herauszureden, sie habe nichts gehört.
Dann rief ich den Denunzianten direkt an. Er lachte arrogant und meinte, eine Entschuldigung meinerseits wäre wohl angebracht. Schließlich hätte ich ihn vor seinem Team lächerlich gemacht.
Das Telefon hatte ich übrigens wie bei der Ärztin auf laut geschaltet, damit mein Kollege mithören konnte.
Er schüttelte den Kopf. Ich bluffte und sagte dem Oberarzt, eine Zeugin hätte ausgesagt, dass er sehr laut und aggressiv gewesen sei und diese hätte sich beschwert, weil er keine Maske getragen hätte.
Bevor er den Hörer auflegte oder auf die Gabel schlug, meinte er in lautem Tonfall, ich solle keinen Keil in sein Team treiben. Ich sollte meine Lügen zugeben.
Mein Kollege rief unseren Vorgesetzten an und berichtete, was gerade passiert sei.
Dies passte ihm nicht und er ermahnte uns, die Sache zu vergessen.
Und man soll nicht meinen, unser Chef schickte mir einen Tag später eine Mail.
Er hatte mit der Ärztin gesprochen, die erst ausweichen wollte, dann aber sagte, ich wäre trotz lautem Getöse ruhig geblieben. Dann hatte er den Oberarzt angerufen und etwas klarzustellen und durfte sich dessen Hass einfangen. Der Oberarzt klatschte den Hörer auf und sagte ihn, das hätte ein Nachspiel. 

Das war eine gute Nachricht. 

Es zeigt, dass man mit Beharrlichkeit und Geradlinigkeit weiterkommt, auch wenn einem Steine in den Weg gelegt werden.

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